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Ratgeber1. Sept. 20266 Min Lesezeit

WordPress-Agentur finden: 10 Fragen, die du vor der Beauftragung stellen solltest

Woran du eine gute WordPress-Agentur erkennst: 10 konkrete Fragen zu Technik, Rechten, Kosten und Wartung – mit den Antworten, auf die es ankommt.

Porträt von Carsten Schreiner, Autor auf beste-wordpress-agentur.deCarsten Schreiner· Autor
Kundin und Agenturberater im Erstgespräch über ein WordPress-Projekt, Notizen auf dem Tisch

Rund 41 Prozent aller Websites weltweit laufen mit WordPress, unter den Seiten mit erkennbarem Redaktionssystem sind es knapp 59 Prozent. Entsprechend groß ist die Zahl der Agenturen, die WordPress anbieten – von der Zwei-Personen-Bude bis zur Digitalagentur mit 80 Mitarbeitern. Von außen sehen die Websites dieser Anbieter erstaunlich ähnlich aus. Alle zeigen Referenzen, alle sprechen von Performance und Individualität.

Der Unterschied zeigt sich im Gespräch. Die folgenden zehn Fragen trennen zuverlässig die Agenturen, die ihr Handwerk verstehen, von denen, die ein gekauftes Theme umfärben und dafür 12.000 Euro verlangen. Du brauchst dafür keine technischen Vorkenntnisse – nur die Bereitschaft, bei ausweichenden Antworten nachzuhaken.

1. Baut ihr mit einem gekauften Theme oder mit einem eigenen?

Beides kann richtig sein. Ein gekauftes Theme aus einem Marktplatz ist günstig und schnell. Es bringt aber oft Ballast mit: Funktionen, die du nie brauchst, dafür langsame Ladezeiten und eine Abhängigkeit vom Theme-Hersteller. Fällt der aus, steht deine Website ohne Sicherheitsupdates da.

Eine gute Antwort benennt die Entscheidung und begründet sie: "Für dein Projekt reicht ein schlankes Basis-Theme mit eigenem Aufbau, ein Kauf-Theme würde dich mehr Anpassungsaufwand kosten als es spart." Eine schlechte Antwort weicht aus oder verkauft dir "individuelles Design" für etwas, das erkennbar aus einem Baukasten kommt.

2. Wie viele Plugins werden am Ende installiert sein?

Jedes Plugin ist fremder Code in deiner Website. Jedes muss aktualisiert werden, jedes kann eine Sicherheitslücke mitbringen, und jedes kostet Ladezeit. Websites mit 40 oder 50 Plugins sind keine Seltenheit – und fast immer ein Zeichen dafür, dass Probleme durch Zukäufe statt durch Lösungen behoben wurden.

Ein sinnvoller Rahmen für eine normale Unternehmenswebsite liegt bei 10 bis 20 Plugins. Frag außerdem, welche davon kostenpflichtig sind und wer die Lizenzen bezahlt. Lizenzen, die auf die Agentur laufen, werden beim Agenturwechsel zum Problem.

3. Wem gehören Design, Code und Zugänge nach dem Projekt?

Das ist die wichtigste Frage im ganzen Katalog, und sie wird am seltensten gestellt. Kläre schriftlich:

  • Bekommst du die vollen Administratorrechte in WordPress?
  • Läuft die Domain auf deinen Namen oder auf den der Agentur?
  • Gehört dir der Hosting-Vertrag?
  • Darfst du den Code weitergeben, wenn du später mit jemand anderem arbeitest?

Agenturen, die hier zögern, bauen sich eine Abhängigkeit ein. Das ist legal, aber es ist ein Preisaufschlag, den du erst merkst, wenn du gehen willst.

4. Was kostet die Website – und was kostet sie danach?

Der Angebotspreis ist nur die halbe Rechnung. Dazu kommen laufende Kosten: Hosting, Plugin-Lizenzen, Wartung, gelegentliche Anpassungen. Für eine mittlere Unternehmenswebsite liegen die laufenden Kosten meist zwischen 40 und 250 Euro im Monat.

Bei den einmaligen Kosten sind die Spannen groß. Als grobe Orientierung für den deutschen Markt: einfache Websites mit wenigen Seiten beginnen im niedrigen vierstelligen Bereich, umfangreichere Unternehmenswebsites mit eigenem Design und individuellen Funktionen liegen häufig zwischen 8.000 und 30.000 Euro. Agenturstundensätze bewegen sich meist zwischen 80 und 180 Euro, bei spezialisierten Anbietern auch darüber. Zum Vergleich: Der Freelancer-Kompass 2026 nennt für Software- und Webentwicklung einen Medianstundensatz von 90 Euro – Agenturen liegen wegen Projektleitung, Qualitätssicherung und Vertretungsregelung darüber.

Diese Spanne ist kein Zeichen von Willkür. Sie entsteht dadurch, dass "Website" alles bedeuten kann – von fünf Seiten mit Kontaktformular bis zu einem mehrsprachigen Auftritt mit Redaktionsworkflow und Schnittstelle zum CRM.

5. Wie sieht der Wartungsvertrag aus?

WordPress bekommt regelmäßig Sicherheitsupdates, Plugins und Themes ebenfalls. Eine Website, die ein Jahr lang niemand anfasst, ist ein offenes Scheunentor. Ein brauchbarer Wartungsvertrag regelt mindestens:

  • Wie oft Updates eingespielt werden und ob vorher ein Test auf einer Kopie läuft
  • Wie oft Backups gemacht werden, wo sie liegen und wie lange sie aufbewahrt werden
  • Was passiert, wenn ein Update etwas kaputt macht – und wer das bezahlt
  • Wie schnell die Agentur reagiert, wenn die Website ausfällt

Der letzte Punkt ist der, der im Ernstfall zählt. "Wir kümmern uns zeitnah" ist keine Reaktionszeit.

6. Wer schreibt die Texte?

Viele Angebote enthalten Design und Technik, aber keine Inhalte. Das ist der häufigste Grund, warum Projekte hängen bleiben: Die Website steht seit Wochen fertig, aber niemand im Unternehmen kommt dazu, 20 Seiten Text zu schreiben.

Kläre vorab, ob Texterstellung im Angebot enthalten ist, ob es sich um Überarbeitung deiner Vorlagen handelt oder um Texte von Grund auf. Wenn du selbst schreibst, lass dir sagen, wie viele Zeichen pro Seite gebraucht werden und bis wann.

7. Wie schnell wird die Seite laden?

Ladezeit ist messbar. Frag nach konkreten Werten für die Core Web Vitals – vor allem Largest Contentful Paint, also die Zeit bis der größte sichtbare Inhaltsbereich steht. Google bewertet einen LCP von 2,5 Sekunden oder weniger als gut, gemessen am 75. Perzentil aller Seitenaufrufe und getrennt nach Mobil und Desktop. Der Mobilwert ist der, auf den es ankommt.

Lass dir zwei oder drei bestehende Kundenwebsites nennen und prüf sie selbst mit einem der frei verfügbaren Messwerkzeuge. Das dauert fünf Minuten und sagt mehr aus als jede Referenzliste.

8. Ist die Website barrierefrei?

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Es verpflichtet Unternehmen, die bestimmte digitale Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher verkaufen, zu barrierefreien Angeboten. Der elektronische Geschäftsverkehr ist ausdrücklich genannt – Online-Shops fallen also in der Regel darunter, reine Firmenwebsites ohne Verkaufsfunktion meist nicht.

Für Dienstleistungen gilt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz. Beim Vertrieb physischer Produkte greift diese Ausnahme nicht.

Ob dein Fall betroffen ist, hängt von deinem Geschäftsmodell ab. Eine Agentur, die das Thema von sich aus anspricht und dir die Frage stellt, arbeitet auf dem aktuellen Stand. Eine, die abwinkt, hat die letzten zwei Jahre nicht mitbekommen.

9. Wer arbeitet konkret an meinem Projekt?

Im Verkaufsgespräch sitzt der Geschäftsführer, gebaut wird von einer Werkstudentin oder einem externen Dienstleister im Ausland. Das ist nicht per se schlecht – aber du solltest es wissen, bevor du unterschreibst.

Frag nach Namen, nach dem Ansprechpartner während des Projekts und danach, was passiert, wenn diese Person das Unternehmen verlässt.

10. Was passiert, wenn wir uns trennen?

Die unangenehmste Frage, und die aufschlussreichste. Eine seriöse Agentur beantwortet sie ohne Zögern: Du bekommst einen vollständigen Export der Website, alle Zugangsdaten und eine Dokumentation der Besonderheiten. Idealerweise steht das schon im Vertrag.

Wenn die Antwort ausweichend klingt oder ein "Übergabe-Paket" plötzlich extra kostet, weißt du, woran du bist.

Woran du eine gute Agentur zusätzlich erkennst

Drei Signale, die in keinem Fragenkatalog stehen:

Sie stellen selbst Fragen. Eine Agentur, die nach dem ersten Telefonat ein Angebot schickt, ohne dein Geschäft verstanden zu haben, verkauft ein Standardpaket.

Sie sagen auch mal ab. Wer jedes Projekt annimmt, hat entweder zu wenig Arbeit oder zu wenig Spezialisierung. "Für das, was Sie vorhaben, ist WordPress nicht das richtige System" ist eine gute Antwort, wenn sie stimmt.

Ihr Angebot ist aufgeschlüsselt. Ein Pauschalpreis über 14.500 Euro ohne Aufteilung lässt sich nicht vergleichen und nicht verhandeln. Positionen mit Aufwandsschätzung schon.

Der praktische Ablauf

Hol dir drei Angebote, nicht mehr. Mehr Angebote bringen keine bessere Entscheidung, sondern nur mehr Termine. Gib allen dreien dieselbe Beschreibung deines Projekts – sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.

Wenn die Angebote weit auseinanderliegen, ist das meistens kein Preisunterschied, sondern ein Leistungsunterschied. Frag beim günstigsten und beim teuersten Anbieter nach, was genau sie anders verstanden haben. Die Antworten sagen dir mehr über deine eigene Anfrage als über die Agenturen.

Quellen

Alle Angaben zuletzt geprüft am 8. September 2026.

Die genannten Projektpreise und Wartungskosten sind Erfahrungswerte aus dem deutschen Agenturmarkt, keine erhobenen Daten.